• Magali

Emotionen in der Kinderwunschzeit


Liebe Hopesisters,


die Kinderwunschreise ist ein Minenfeld der Gefühle. Die Achterbahnfahrt ist absolut real. An einem Tag geht es aufwärts, am nächsten Tag geht es abwärts, man springt ständig zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit hin und her, und in der einen Minute hat man sich unter Kontrolle und in der nächsten einen Nervenzusammenbruch.


Es gibt kein Ausweichen seiner Emotionen. Du kannst sie unterdrücken, sie wegschieben, sie ignorieren, aber sein dir gesagt, sie werden immer da sein. Die Art und Weise, wie wir unsere Gefühle verarbeiten, kann bestimmen, wie schwer die Last der Kinderwunschreise auf uns liegt.


Ich habe die letzten 7 Jahre, die ich auf meiner Reise war und auch noch bin, oft sehr wütend und aufgewühlt verbracht. Auf mich, meinem Körper, die Ärzte und auch schon sehr oft auf Gott. Diese Wut hat mir aber körperlich und seelisch nie gutgetan. Innerlich zu kochen und im Gedankenstrudel unterzugehen ist schädlich. An machen Tagen wusste ich nicht hin mit mir und meinen Emotionen.


Der Hauptgrund dafür ist die Art und Weise, wie ich meine Gefühle verarbeitete (oder nicht verarbeitete). Hier sind zwei Beispiele zur Veranschaulichung, teilen wir uns doch kurz in Kategorien auf:


1. Auf der einen Seite haben wir die "Verdrängerin" - diejenige, die ihre Emotionen unterdrückt, sie nicht anerkennt und annimmt und immer weiter macht. Das kann zu etwas führen, das man "emotionales Auslaufen" nennt. Stell dir vor deine Freundin rät dir, du sollst dich "einfach entspannen", und dann wird es schon klappen mit dem Baby. Das macht dich wütend, aber du verdrängst es, sprichst nicht an weshalb du dich verletzt fühlst. Dann beim Mittagessen erzählt dir eine deiner Kolleginnen, dass sie versehentlich schwanger geworden ist, und du verdrängst deine Gefühle wieder. Sprichst mit niemandem darüber und gestehst dir nicht ein, das in dir etwas vorgeht. Dann am Abend, als du völlig erschöpfst noch einkaufen gehst, lässt du aus Versehen die Milch im Supermarkt vor allen fallen und du liegst plötzlich schluchzend auf dem Boden, zwischen der Wursttheke und den fettfreien Joghurts. Irgendwann sickern die Emotionen durch, und zwar meist zu den unpassendsten Zeiten und Orten. Kannst du es dir vorstellen? Die Verdrängerin hat Angst vor der Konfrontation ihrer Emotionen.


2. Auf der anderen Seite haben wir die "Grüblerin" - die in ihrem Schmerz schmort und ihn immer wieder umrührt. Sie ist besessen von einer unsensiblen Bemerkung oder einem wahrgenommenen Versagen und kann nicht darüber hinwegkommen. Und während sie ihre Emotionen spürt, wenn sie hochkommen, tut sie es auf eine Art und Weise, die ihnen Macht verleiht, genau wie ein Hurrikan. Die Grüblerin geht immer wieder Szenarien in ihrem Kopf durch und stellt sich Fragen wie: "Warum können alle anderen ein Baby bekommen, nur ich nicht?" oder "Warum kann ich nicht besser damit umgehen?"


Klingt eine dieser zwei Kategorien nach dir? Welche?


Ich war beides. Ich verdrängte es, bis es explodierte (ich war diejenige, die weinte, weil ich etwas fallen ließ, und es auch an meinem armen, ahnungslosen Ehemann ausließ), und ich grübelte darüber nach, warum das mit mir passierte.

Wenn ich mir doch nur damals bewusst gewesen wäre, was ich da tue und warum ich es tue. Meine Muster erkannte ich erst sehr spät auf meiner Reise. Auch die Schwere, die ich mit mir herumtrug, verschwand nicht durch das Unterdrücken.


Der EINZIGE Weg stark, leicht und gesund durch diese Reise ist, Kategorie 3 zu sein. In der du deine Emotionen anerkennst und das kann sehr schmerzhaft und erschreckend sein. Wer möchte schon wütend, neidisch oder überwältigt sein!?

Gefühle spiegeln den momentanen Seelenzustand wieder. Es geht darum sich dafür nicht zu bestrafen, dass du fühlst wie du eben fühlst. Diese Emotionen haben primär ihre Berechtigung und sind wichtig. Sie zeigen dir, dass etwas nicht in Ordnung ist, dass du etwas verändern kannst und dass du Mensch bist.

Du bist wundervoll so wie du bist! Gott hat dich als Meisterwerk seiner Schöpfung erschaffen.


Auf dieser Reise durfte ich erfahren, dass alle meine Gefühle OK sind und ich sie annehmen darf. Und wenn ich es nicht schaffe, gleich wieder Hoffnungsvoll und Glücklich zu sein, erlaube ich mir heute ein zwei Tage ruhe. Zeit zum Weinen und betrauern, Zeit um wütend zu sein und alles mit Gott zu besprechen. Zeit sich durch meine Emotionen hindurchzuarbeiten, indem ich mit jemandem rede. Mit meinem Mann, Schwester, Mama oder meinen Hopesiters.


Versuch es doch das nächste Mal, anstatt deine Wut zu unterdrücken nimm sie an . Atme tief ein und aus und hol dir die Kraft aus der Emotion. Identifiziere und benenne deine Gefühle. Woher kommen sie? Was ist wirklich in dir los? Warum fühlst du gerade jetzt so stark? Leg sie deinem Gott hin und lass Veränderung zu. Bitte ihn, seine Sicht auf die Dinge zu zeigen. Oder du versuchst etwas anderes wie z.B. Tagebuch schreiben, singen, tanzen oder wen du Hilfe benötigst, mach doch einen Termin bei einer Seelsorge oder Therapeuten aus. Dies ist völlig legitim und kann sehr hilfreich sein.

Auch wenn es wie harte Arbeit aussieht und auch unangenehm werden kann, ist es das wert. Trau dich, hör hin und lass alles zu. Und ich verspreche dir, du kannst und darfst das alles fühlen UND wirst dadurch über dich hinauswachsten.

In der Tat wirst du am Ende emotional intelligenter, reflektierter und komplett bereit für die Herausforderungen des Alltags sein. Egal wie die Reise ausgeht.


"Kommt alle zu mir, die ihr geplagt und mit Lasten beschwert seid! Bei mir erholt ihr euch."

Matthäus 11:28 (NeÜ)


Deine Magali



You are fruitful!